Die kanadische Küche ist ein köstlicher Widerspruch: regional, saisonal und tief geprägt von indigenen, französischen, britischen und Einwandererküchen — und doch sind einige Gerichte zu nationalen Ikonen geworden. Wer vom Atlantik über den Pazifik bis in die Arktis reist, isst sich durch mehrere eigenständige Esskulturen. Hier ist, was man bestellen sollte und wo es am besten schmeckt.
Die nationalen Wohlfühlgerichte
Kein Gericht steht so für Kanada wie Poutine. Entstanden im ländlichen Québec Ende der 1950er Jahre, ist es ein Teller knuspriger Pommes, belegt mit frischen, quietschenden Käsebruchstücken (Cheese Curds) und übergossen mit heißer brauner Soße, die den Käse halb schmilzt. Man isst sie schnell, bevor sie weich wird. Man findet sie überall — von Imbisswagen am Straßenrand bis zu Gourmetrestaurants mit Varianten mit Pulled Pork, Foie Gras oder Hummer.
Der Ahornsirup ist der andere Nationalschatz. Kanada erzeugt den weitaus größten Teil des Weltvorrats, vor allem in Québec, wo die Zuckerhütten (Cabanes à sucre) im Frühling die Bäume anzapfen. Echter Sirup wird nach Farbe und Geschmack eingestuft, vom zarten Golden bis zum kräftigen Dunkel. Probieren Sie ihn über Pfannkuchen, in gebackenen Bohnen oder als Ahorntoffee, heiß auf sauberen Schnee gegossen und auf einen Stock gedreht.
Montréals zwei große Exporte
Montréal hat der Welt zwei Dinge geschenkt, die eine eigene Reise wert sind. Montrealer Räucherfleisch ist Rinderbrust, mit Gewürzen gepökelt, geräuchert und gedämpft, bis sie zart ist, dann hoch auf Roggenbrot mit gelbem Senf gestapelt — die legendäre Version stammt aus einem über hundert Jahre alten Delikatessengeschäft am Boulevard Saint-Laurent. Und der Montrealer Bagel: kleiner, dünner, süßer und dichter als sein New Yorker Vetter, in Honigwasser gekocht und im Holzofen gebacken. Man isst ihn warm, am besten mit Frischkäse und Räucherlachs.
Süßes
Kanadische Bäckereien haben ihre eigenen Klassiker. Butter Tarts sind kleine Mürbeteig-Törtchen mit einer flüssigen, buttrigen Füllung aus braunem Zucker — die große nationale Debatte dreht sich darum, ob Rosinen hineingehören. Nanaimo Bars, benannt nach der Stadt auf Vancouver Island, sind eine Süßigkeit ohne Backen: Boden aus Krümeln und Kokos, Puddingschicht in der Mitte, Schokolade obenauf. Und BeaverTails sind von Hand gezogene Fladen aus frittiertem Teig, knusprig und warm, mit Zimtzucker bestäubt oder mit Schokolade und Banane bestrichen — unverzichtbar auf Winterfesten.
Deftig und regional
In Québec ist die Tourtière eine würzige Fleischpastete, traditionell zu Weihnachten und Neujahr serviert, ihre Füllung aus Schwein, manchmal Wild, warm nach Nelke und Zimt. Die Prairies sind Rinderland: Alberta-Rindfleisch ist weltweit geschätzt, und ein richtig gegrilltes Alberta-Steak braucht kaum mehr als Salz. An den Küsten regieren Meeresfrüchte. Die Atlantikprovinzen servieren herrlichen Hummer — ein Hummerbrötchen oder ein einfach gekochter Hummer mit Butter ist Sommer auf dem Teller — während British Columbia auf wilden Pazifik-Lachs setzt, oft auf Zedernholzbrett gegart oder kandiert.
Jenseits der Aushängeschilder deckt jede Region ihren eigenen Tisch. In Neufundland spiegelt deftige Hausmannskost ein raues atlantisches Erbe wider, und Toutons — frittierter Brotteig mit Melasse beträufelt — wärmen kalte Morgen. In den Prairies machten ukrainische und mennonitische Siedler Perogies und Bauernwurst zum Alltagsmenü. Und Bannock, ein schlichtes Pfannen- oder Lagerfeuerbrot mit tiefen indigenen Wurzeln, findet sich im ganzen Land — mal frittiert, mal unter einer Kelle Eintopf serviert. Genau diese Schichtung der Kulturen ist der wahre Geschmack Kanadas.
Snacks, Getränke und das Kaffeeritual
Für einen Vorgeschmack auf den kanadischen Alltag greifen Sie zu einer Tüte Ketchup Chips, herb-roten Chips, die man außerhalb des Landes kaum findet. Der Caesar ist Kanadas eigener Cocktail: Wodka, würziger Tomaten-Muschel-Saft (Clamato), scharfe Soße und Worcestershire, im salzgeränderten Glas mit reichlich Garnitur. Aus den Weinbergen Ontarios und British Columbias kommt der Eiswein, ein intensiv süßer Dessertwein aus Trauben, die am Rebstock gefrieren durften.
Und dann ist da Tim Hortons, die Kaffee-und-Donut-Kette, die weniger Restaurant als nationales Ritual ist. Ein Double-Double (zwei Sahne, zwei Zucker) mit einer Schachtel Timbits zu bestellen, ist kanadischer als kanadisch. Wohin Sie auch reisen — lassen Sie sich von Ihrem Appetit leiten: Die Küchen des Landes belohnen die Neugierigen.